Lebens(um)wege
Verein zur Förderung der Suchtprävention
im Oberbergischen Kreis e.V.

Sucht Vermeiden

Prävention beginnt mit Wissen und Aufklärung

Wir

Wir Menschen sehnen uns tief im Inneren nach demselben: Wir möchten gesehen, geschätzt und so angenommen werden, wie wir sind. Das Gefühl, zu einer Gemeinschaft dazuzugehören, empfinden wir als Sicherheit vor Gefahren. Um Harmonie zu wahren, halten wir uns mit Kritik zurück oder stimmen der Mehrheit zu. Wir treten Vereinen bei, gehen zusammen zum Sport oder spielen dieselben Online-Games. Wir bieten ungefragt Hilfe an, um die soziale Bindung nicht zu verlieren. Wir versuchen andere zum Lachen zu bringen, da Humor eine der schnellsten Brücken zwischen Menschen schlägt. Wir halten Schuldgefühle aufrecht, um von der Gesellschaft nicht verurteilt werden zu können. Es gibt unzählig weitere Beispiele. Doch manchmal ist der Wunsch dazuzugehören so stark, dass wir uns selbst aus den Augen verlieren. Wir von 'lebensumwege.de' möchten dich behutsam dabei begleiten, diese Zusammenhänge zu verstehen. Wir möchten dir helfen, ein echtes Vertrauen in dich selbst aufzubauen. Du sollst die Kraft finden, auch mal 'Nein‘ zu sagen, ohne Angst haben zu müssen, deinen Platz in der Gemeinschaft zu verlieren. Du bist wertvoll, auch wenn du deine eigenen Grenzen ziehst. Andere empfinden das durchaus als Stärke und Vorbild. Sie erkennen, dass man durch dieses selbstbewusste Verhalten keineswegs durch das Raster der Gesellschaft fällt.

Unsere Mitarbeiter

Unser Team besteht aus Betroffenen und Angehörigen. Alle haben eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfern absolviert und sich regelmäßig weitergebildet. Jede neue Beteiligung ist jederzeit willkommen. Für weitere Informationen stehen wir Dir gerne telefonisch oder persönlich zur Verfügung.

Unser Auftrag

Ziel und Aufgabe unseres Vereins ist, über Sucht aufzuklären und zu helfen, das Krankheitsbild 'Sucht' zu erkennen, seiner Entstehung vorzubeugen und den Genesungsprozess anzuregen. Insbesondere soll erreicht werden, dass junge Menschen auf das Thema Sucht aufmerksam werden und die Gefahren von Sucht und ihrer Entstehung erkennen.

Unsere Verschwiegenheit

Über alle in Einzel- und Gruppengesprächen behandelten Inhalte bewahren wir stillschweigen gegenüber Außenstehenden. Wir sind uns dessen nicht zuletzt auf Grund unserer eigenen Betroffenheit bewusst. Wir geben keine Informationen an Arbeitgeber, Familienangehörige, Bekannte oder sonstige Personen weiter.

Fakten

Wodurch Sucht entsteht

Durch die Person

Jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit:

Genetik: Manche Menschen haben von Geburt an ein Belohnungssystem, das schwächer auf normales Glück reagiert, aber extrem stark auf Suchtmittel anspringt.

Psyche: Geringes Selbstwertgefühl, Ängste, Traumata oder Depressionen machen anfälliger. Das Suchtmittel wird dann oft als „Selbstmedikation“ genutzt, um den Schmerz zu betäuben.

Konfliktlösung: Wer nie gelernt hat, mit Stress oder Enttäuschung gesund umzugehen, greift eher zu Ersatzstoffen, um sich zu beruhigen.

Durch die Umwelt

Die Welt, in der wir leben, spielt eine bedeutende Rolle:

Verfügbarkeit: Wenn Alkohol, Zigaretten oder Online-Glücksspiel überall und jederzeit verfügbar sind, steigt das Risiko.

Soziales Umfeld: Wenn in der Familie oder im Freundeskreis viel konsumiert wird, gilt das Verhalten als „normal“ (Modelllernen).

Belastung: Leistungsdruck in der Schule, Stress im Job oder Einsamkeit können den Wunsch nach einer „Flucht“ aus dem Alltag verstärken.

Durch das Mittel

Nicht jedes Mittel macht gleich schnell süchtig:

Suchtpotenzial: Heroin oder Nikotin verändern die Gehirnchemie viel schneller als beispielsweise Cannabis oder Schokolade.

Wirkung: Wie schnell tritt der „Kick“ ein? Je schneller das Gehirn die Handlung mit dem guten Gefühl verknüpft, desto höher ist die Suchtgefahr.

Mehrfachsucht und Suchtverlagerung

Mehrfachsucht und Suchtverlagerung sind oft leise Begleiter, die lange Zeit unentdeckt bleiben – sowohl von den Betroffenen selbst als auch von ihrem Umfeld. Oft zeigt sich die Belastung nicht durch das klassische Bild einer Sucht, sondern durch tiefe Erschöpfung, unerklärliche Ängste oder depressive Verstimmungen. Solange die zugrunde liegende Dynamik nicht erkannt wird, bleiben diese Symptome oft therapieresistent. Erst wenn wir den Mut finden, hinter die Fassade der Erschöpfung zu blicken und die Suchtstrukturen zu lösen, kann echte und dauerhafte Heilung beginnen.

Mehrfachsucht

Sehr viele Süchtige sind von mehreren Stoffen bzw. Verhaltensweisen abhängig:

„Fast alle von uns, die viel Alkohol tranken, rauchten auch.“

„Viele Arbeitssüchtige unter uns benutzten sexsüchtiges Verhalten als Belohung zu Entspannung.“

„Bei manchen Co-Abhängigen von uns war Frustessen der ständige Begleiter.“

Da die Suchterkrankung in verschiedenen Süchtigen Verhaltensweisen ausgelebt wird, ist sie schwer zu erkennen. Und trotzdem – In der Summe aller Verhaltensweisen führt die Mehrfachsucht zu erheblichen Lebensproblemen.

Suchtverlagerung

Suchtverlagerung bedeutet, dass ein Süchtiger mit einem Suchtverhalten aufhört, weil er unter den Auswirkungen leidet, es aber unbewusst in ein anderes Suchtverhalten verlagert:

Zum Beispiel:

  • von Alkoholsucht auf Arbeitssucht
  • von Nikotinsucht auf Ess-Sucht
  • von Drogensucht auf Sexsucht
  • von Magersucht auf Sportsucht
  • usw.

Diese Beispiele sind beliebig austauschbar: Was äußerlich als Erfolg erscheint, ist dauerhaft keine wirkliche Verbesserung. Anstelle der alten negativen Auswirkungen treten neue. Die zugrunde liegenden Probleme bleiben ungelöst.

Auswirkungen von falsch verstandener Hilfe

Für CO-Abhängige

Co-Abhängige kommen immer weniger mit ihrem Leben zurecht. Falsche Hilfe führt zunehmend zu:

  • Reizbarkeit
  • Scham und Schuldgefühlen
  • Angst und Verzweiflung
  • Hoffnungslosigkeit
  • Überforderung
  • Schlafstörungen
  • psychosomatischen Erschöpfungszuständen
  • Depressionen
  • eigenen Suchterkränkungen wie z.B.
    • Ess-Süchte,
    • Medikamentenmissbrauch,
    • Arbeits- oder Putzsucht,
    • Alkoholismus,
    • Kaufsucht,
    • usw.

Für Süchtige

Süchtige verstricken sich immer mehr in ihre Krankheit. Falsche Hilfe hilft Süchtigen nicht:

  • Süchtige können ihre Sucht weiter ausleben, weil Co-Abhängige sie z.B. mit Geld unterstützen, für die lügen, sie nach außen schützen, ihnen Aufgaben abnehmen.
  • Süchtige fühlen sich kontrolliert und bevormundet. Sie ziehen sich immer stärker auf ihr Suchtverhalten zurück und weigern sich immer mehr, etwas daran zu ändern.
  • Süchtige fühlen sich noch mehr als Versager, weil die „Hilfe“ bei ihnen nicht hilft.
  • Süchtige spüren die Folgen ihrer Sucht nicht mehr, weil der Co-Abhängige sie ihnen abnimmt.
  • Süchtige erleben durch die Hilfe des Co-Abhängigen keine Not. Es gibt keine Not-Wendigkeit, etwas zu ändern.

Lebensregeln für Süchtige

Süchtige allein sind in schlechter Gesellschaft.

Zumindest in der Anfangszeit ist dies von großer Bedeutung. Ist man allein, haben alle Gedanken, die zum Suchtverhalten führen, wieder Raum im Kopf.

Abstinenz von deiner Sucht, ohne Ausnahme !

Der Rückfall fängt bereits mit dem ersten Schluck Alkohol an, mit der ersten Pornoseite im Internet, die Sexsüchtige aufsuchen, mit der ersten Mahlzeit, die eine Magersüchtige weglässt, mit dem ersten Euro, der in den Spielautomaten wandert ...

Hör auf mit: Blenden, Bluffen, Beeindrucken.

Für uns Süchtige ist es gefährlich, mehr sein zu wollen als wir sind.

Vermeide alte Kameraden und Orte.

Vermeide Freunde, mit denen du die Sucht ausgelebt hast. Vermeide Orte, an denen du Sucht ausgelebt hast. Diese Umgebung ist nicht gesund für dich.

Bleibe in Kontakt mit Gleichgesinnten.

Sucht ist eine Rückfallkrankheit. Der normale Alltag bietet viele Versuchungen. Es ist wichtig, sich mit Menschen auszutauschen, die auch mit der Abstinenz von ihrer Sucht klarkommen müssen. Niemand versteht dich besser, als ein anderer trockener Süchtiger.

Bei Suchtdruck frage dich, was du eigentlich brauchst: Bist du vielleicht hungrig, ärgerlich, einsam oder müde?

Süchtige haben Lust auf Bier, Süßigkeiten, Sex, Zigaretten, usw. Wir merken oft nicht, was wir eigentlich brauchen: Schlaf, Kontakt, Ruhe, Essen, Trinken. Stattdessen meldet sich unser altes Suchtverlangen. Je mehr wir auf diese Zeit achten, desto weniger haben wir Suchtdruck.

H ungry

A ngry

L onely

T ired

Bei Suchtdruck frage dich, was du eigentlich brauchst: Bist du vielleicht hungrig, ärgerlich, einsam oder müde?

Süchtige haben Lust auf Bier, Süßigkeiten, Sex, Zigaretten, usw. Wir merken oft nicht, was wir eigentlich brauchen: Schlaf, Kontakt, Ruhe, Essen, Trinken. Stattdessen meldet sich unser altes Suchtverlangen. Je mehr wir auf diese Zeit achten, desto weniger haben wir Suchtdruck.

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Nur einen Tag, nur einen Moment auf einmal zu leben.

Es ist für Süchtige gefährlich, über Vergangenes zu hadern oder sich ängstlich um die Zukunft zu sorgen. Es geht nur darum, im Hier und Jetzt das Beste zu tun, wozu wir im Moment fähig sind. Probleme, die die Vergangenheit oder die Zukunft betreffen, gehören mit Freunden oder Therapeuten besprochen. Nicht allein!

Denke daran: Nur für diesen Moment bist du abstinent.

Es ist schwer, sich für das ganze Leben Abstinenz vorzunehmen. Nur für diesen einen Moment ist es möglich. Nur für diesen Moment überisst du dich nicht, wenn du esssüchtig bist. Nur für diesen Moment nimmst du keine Tablette, wenn du medikamtenabhängig bist. Nur für diesen Moment arbeitest du nicht länger, wenn du arbeitssüchtig bist. So erlebst du einen abstinenten Moment nach dem anderen, ein Moment nach dem anderen wird eine Stunde, ein Tag, eine Woche, ein Monat, ein Jahr …

Es ändert sich viel, wenn sich Angehörige von Süchtigen Hilfe holen

Für den Angehörigen

Angehörige lernen, sich aus den Verstrickungen mit dem Leben eines Süchtigen zu lösen. Die Scham, die Schuldgefühle, die Sorgen und Ängste nehmen ab.

Angehörige lernen, dem Süchtigen die Folgen der Suchterkrankung nicht mehr aus dem Weg zu räumen. Es wird wieder Zeit und Energie frei für eigene Interessen und neue Perspektiven.

Angehörige lernen mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit auf ihr eigenes Leben zu lenken und Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Die Auswirkungen durch das Zusammenleben mit einem Süchtigen (z.B. Depression, Krankheiten, Erschöpfung) werden langsam weniger. Das Leben wird wieder schöner, selbst wenn der Süchtige süchtig bleiben sollte.

Angehörige, denen es schwer fällt, sich im Zusammenleben mit dem Süchtigen gesund zu distanzieren bekommen Hilfe, die nötigen Schritte zu erkennen und auszuführen, um sich z.B. vorübergehend trennen zu können.

Für den Süchtigen

Süchtige werden konfrontiert mit den Auswirkungen ihrer Sucht und der Not, die daraus entsteht, wenn die Folgen nicht mehr vom Angehörigen beseitigt werden.

Süchtige fühlen sich nicht mehr persönlich angegriffen und beschämt. Sie können ihre Abwehr und Schutzmauer gegenüber Einwirkungen von außen verringern, wenn Angehörige aufhören, ihnen Vorwürfe und Szenen zu machen.

Süchtige spüren eher die Verantwortung für ihr eigenes Leben, wenn sie ihnen nicht mehr von anderen abgenommen wird.

Süchtige erleben dass es Angehörigen nach einiger Zeit besser geht, nachdem diese sich Hilfe geholt haben.

Ausstellung

Lebens(um)wege ist eine Ausstellung von Menschen, die selbst Sucht erlebt haben. Sie zeigen, wie es ist, süchtig zu werden, süchtig zu sein und Wege aus der Sucht zu finden. Es geht nicht um Belehrungen von Ärzten oder Psychologen. Es geht um echte Erfahrungen, die berühren, zum Nachdenken anregen und Gefühle wecken.

Viele denken bei Sucht sofort an Alkohol, Zigaretten oder Drogen. Manchmal auch an Magersucht. Für viele sind Süchtige 'die Anderen' – Randgruppen, Menschen im Endstadium. Die Ausstellung zeigt: Die Realität ist viel komplexer.

Lebens(um)wege macht deutlich, wie fließend die Übergänge von Gesundheit zu Krankheit sind. Sie informiert nicht über Stoffe und ihre Wirkungen. Ihr Ziel ist es, für die Krankheit Sucht und ihre Mechanismen zu sensibilisieren.

Sucht ist schon lange vor dem Endstadium eine schwere Belastung. Was anfangs positiv wirkt, führt später zu Leid. Lebensqualität sinkt. Depressionen, Sinnleere, psychosomatische Beschwerden und Ängste entstehen. Oft wird die eigentliche Ursache – die Sucht – nicht als Ursache erkannt.

Hinweis

Unsere bisherige Ausstellung in Wiehl-Bielstein wurde eingestellt.  In 2026 soll sie als Wanderausstellung wieder eröffnet werden.

Über Ort und Zeit werden wir hier informieren.

Unser Verein lebt von ehrenamtlichem Engagement.

Spenden kommen ausschließlich der Vereinsarbeit und den Ausstellungen zu Gute.

Spenden an

Institut: Volksbank Oberberg eG

Kontoinhaber: Verein zur Förderung von Suchtprävention

IBAN: DE83 3846 2135 7020 9480 13

BIC: GENODED1WI

Kontakt

12 + 10 =

Friedbert Isele

  • 0170 - 2800356

Verein zur Förderung der Suchtprävention

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Büro: Sonnenweg 31, 51647 Gummersbach